Über uns

Hier findest du Infos zum Kollektiv, wir erklären unser Logo, warum wir uns radix genannt haben, und ganz unten findest du noch unser Bildungsverständnis.

Wir sind derzeit 6 Personen, die sich innerhalb der österreichischen Bewegung für Klimagerechtigkeit zusammengefunden haben um transformative Bildungsarbeit zu machen.

Wir sind in verschiedenen Bereichen und Berufen tätig: An der Universität, in der Freizeit- und Spielpädagogik, in der Sozialarbeit,  im Bereich Freiwilligendienste, als Moderator*innen und Prozessbegleiter*innen, Theaterpädagog*innen, in NGOs und bei der Klimagerechtigkeitsbewegung. In unsere Tätigkeit bei radix lassen wir diese Erfahrungen und das Wissen aus unseren unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen miteinfließen: Politik- und Wirtschaftswissenschaften, Anthropologie, Geschichte, Soziale Arbeit, aber auch Landwirtschaft und Umweltschutz.

Wir wollen nicht nur einen kritischen Blick auf Vorhandenes und mögliche Alternativen aufzeigen, sondern sie in unserem Alltag ausprobieren. Dazu gehört auch radix als Arbeitsumfeld. Aus diesem Grund arbeiten wir als Kollektiv, das heißt wir treffen  Entscheidungen basisdemokratisch und bedürfnisorientiert.

Warum radix?

„radix“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie: die Wurzel, der Grund, die Basis.

Mit diesem Bild wollen wir auf grundlegende gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen anspielen, die unserer Meinung nach Ursache für die Klimakrise, ökologische und soziale Missstände sind.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem, das auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruht, und insbesondere mit Rassismen, Sexismen und anderen Formen von Diskriminierung verflochten ist, ist heute tief in vielen gesellschaftlichen Bereichen verankert.

Historisch lässt sich zurückverfolgen, wie die Entwicklung des Kapitalismus mit dem Zugriff auf die reproduktive Arbeit von Frauen* ebenso verbunden ist, wie mit Sklaven- und Zwangsarbeit und anderen Ausbeutungsformen. Landenteignungen, Vertreibung und Mord an indigenen Bevölkerungen waren Stützpfeiler in der Durchsetzung des kapitalistischen Weltwirtschaftssystems. All diese Prozesse dauern bis heute an und sind Mitverursacher der Klimakrise.

Wir wollen mit unserer Arbeit diese Grundlagen unseres Wirtschaftens in Frage stellen, und sehen hierin ebenso das Potential für tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Dabei unterstützen wir die Forderung nach „Klimagerechtigkeit“. Das bedeutet, ernst zu nehmen, dass die Menschen, die selbst wenig zum Klimawandel beigetragen haben, am meisten von ihm betroffen sind und noch sein werden.

Welche Wirtschaft und Gesellschaft brauchen wir, um ein Gutes Leben für ALLE zu ermöglichen? Wir müssen in unseren Fragen an und Antworten auf gesellschaftliche und ökologische Probleme radikal, also „an der Wurzel“ bleiben.

* mit dem Sternchen wollen wir darauf aufmerksam machen, dass die Kategorie „Frau“ sozial konstruiert ist. In dem Fall meinen wir alle Personen, die im binären Geschlechtersystem als Frauen gelesen, mit Attributen versehen wurden und werden.

Und warum tanzt in unserem Logo eine Person auf dem Seil?

Ein wunderschönes Zitat brachte uns auf dieses Bild.

Denn die Art der Bewegung, sowohl der Teilnehmenden als auch der Leitenden im Rahmen dieser subjektbezogenen politischen Bildungsarbeit gleicht in vielem einem Seiltanz. Und: Seiltänzer*innen leben gefährlich. Dauernd sind sie vom Absturz bedroht. Am gefährlichsten ist für sie der Zustand von maximaler Stabilität. Würden sie den erreichen, fielen sie vom Seil wie eine Kartoffel. Seiltänzer*innen müssen ihre Balancierstange in Unruhe halten. Mit fortwährender Bewegung und Gegenbewegung überlisten sie das Fallgesetz. Nur indem sie ihren Schwerpunkt Schritt für Schritt aus sich heraus nach vorn verlagern, also gehen, sichern sie ihre Existenz. Seiltänzer*innen sind zur Bewegung, ja sogar zur eleganten Bewegung, verurteilt. Die Sicherheit des festen Standpunktes ist für sie tabu. Es wäre ihr Ende. Der Absturzgefahr entkommen sie einzig durch Unsicherheit. Und noch etwas: Seiltänzer*innen dürfen nicht auf ihre Füße starren. Sie brauchen den Blick zum Horizont, denn der ist, rein physiologisch gesehen, eine Funktion des Gleichgewichtssinns und Bedingung der Aufrichtung.

Reinhard Kahl (1995): Lob des Seiltänzers. In: „Die Tageszeitung“ – TAZ Nr. 4587 vom 04.04.1995, S. 16. Zitiert nach Kalpaka (2009), S. 163

Um fixe Standpunkte hinterfragen zu können, muss allerdings zuerst einmal ein sicherer und barrierearmer Lern-Raum von unserer Seite angeboten werden. Diese Verantwortung nehmen wir ernst.

Unser Bildungsverständnis

Wir wollen Räume schaffen, in dem Menschen die Welt um sich, und ihre Positionierung darin kritisch reflektieren. Das heißt zum Beispiel hin zu schauen: wie prägt mich diese Gesellschaft, ihre Lebensweise, wo bin ich Zwängen und Druck ausgesetzt und wo profitiere ich? Unsere Räume sollen darauf aufbauend ermutigen, die eigene Macht zum Handeln zu begreifen. Und gleichzeitig anzuerkennen, dass gesellschaftliche Veränderung Zusammenarbeit braucht.

Lernen ist hierbei für uns ein sozialer und interaktiver Prozess, in den wir als Workshop-Leitende miteinbezogen sind. Er findet auf der mentalen, aber auch auf der emotionalen und körperlichen Ebene statt.

Bildung ist für uns immer politisch, auch wenn sie vorgibt neutral zu sein. Denn sie ist immer eingebunden in eine Gesellschaft und Institutionen, die Ungleichheiten und Machtverhältnisse produzieren und reproduzieren. 

Wichtig ist uns in der politischen Bildungsarbeit das Transformative, die Kritik an den bestehenden Verhältnissen und ihre Veränderung. Wir laden die Teilnehmer*innen unserer Workshops ein, sich eine systemwandlerische Brille aufzusetzen. Indem wir unsere politischen Standpunkte und Vorannahmen sichtbar machen, sorgen wir für Transparenz. Zugleich ermuntern wir die Teilnehmer*innen dazu, selbst Stellung zu beziehen, sich nicht überzeugen zu lassen, sondern kritisch zu bleiben und eigene Gedanken zu formulieren.

Das bedeutet, dass wir Widersprüche und Konflikte zulassen, und auch nicht immer bemüht sind, die eine “richtige” Lösung zu finden. Unsere Workshops zielen darauf ab, angstfreie und lernfreudige Räume zu schaffen. Aus diesen Gründen ist während unserer Workshops eine mögliche Bewertung der Leistung der Schüler*innen nicht zielführend und nicht erwünscht.

Uns ist eine machtkritische und diskriminierungssensible Perspektive wichtig, sowohl in Bezug auf die behandelten Themen, als auch innerhalb des Lernraumes.